Medikamenteninfos

Allgemeine Informationen zu Glukokortikoiden ("Kortison")

 

Glukokortikoide sind körpereigene Stoffe, die in der Nebennierenrinde u.a. in Form von Kortison und Kortisol (=Hydrokortison) gebildet werden. Umgangssprachlich wird der Begriff "Kortison" häufig synonym für alle Glukokortikoide verwandt. Sie haben wichtige Funktionen, z.B. im Bereich des Stoffwechsels, des zentralen Nervensystems und des Immunsystems. Eine der Wirkungsweisen auf das Immunsystem ist die Hemmung von Entzündungen.

 

Diese entzündungshemmende Wirkung wird bei der Behandlung mit Medikamenten, die synthetisch hergestellte Glukokortikoide enthalten, genutzt. In der Therapie des Asthma bronchiale z.B. wird dadurch die Entzündungsreaktion in den Bronchien und die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) erheblich vermindert. Die Symptome der Erkrankung werden in der Folge deutlich reduziert oder verschwinden ganz, was die Lebensqualität der Patienten wesentlich erhöht.

 

Die Verunsicherung, die zum Teil hinsichtlich des Einsatzes von Glukokortikoiden besteht, resultiert aus der Vergangenheit. Insbesondere in den 1960´er und frühen 1970´er Jahren hat man, begeistert von der Wirksamkeit, die Präparate viel zu häufig, zu hoch dosiert und unkontrolliert über einen langen Zeitraum verordnet. Darüber hinaus wurde zunächst ausschließlich systemisch, d.h. in Tablettenform oder als Injektion therapiert, da keine andere Darreichungsform der Wirkstoffe verfügbar war. So konnte sich der überdosierte Wirkstoff im gesamten Körper verteilen, die vielzitierten Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen ("Aufschwemmen"), Hautveränderungen oder Osteoporose usw. waren die Folge. Die heute, über 40 Jahre später, zum Einsatz kommenden glukokortikoidhaltigen Medikamente sind mit denen aus den Anfangszeiten kaum noch vergleichbar.

 

Im Regelfall erfolgt die Anwendung darüber hinaus heute meist lokal (wie z.B. beim Asthma bronchiale mithilfe eines Dosieraerosols, bei Neurodermitis in Form von Salben, bei Heuschnupfen als Nasenspray). Dadurch kann sich die Wirkung des Medikaments direkt in den betroffenen Arealen entfalten und die Wirkstoffmenge nochmals reduziert werden. Lokal angewandte, moderne glukokortikoidhaltige Medikamente enthalten nur noch einen Bruchteil des Wirkstoffs eines systemisch angewandten Präparats.

 

Selbstverständlich werden wir die Dosierung von Medikamenten grundsätzlich so niedrig wie möglich halten und gerade auch Glukokortikoide erst nach sorgfältiger Indikationsstellung kontrolliert und nur in begründeten Ausnahmefällen systemisch anwenden.

 

Bei korrekter Anwendung besteht dann, auch bei einer längerfristigen Therapie, kaum die Gefahr von Nebenwirkungen. Man muss sich grundsätzlich klarmachen, dass z.B. das Asthma bronchiale auch heute noch eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung darstellt und eine unzureichend Therapie wesentlich gefährlicher ist, als mögliche Nebenwirkungen verordneter Medikamente.

 

 

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